Fotografie mal ganz von vorne

  • Digital und Software, nett, aber weiß noch jemand wie man richtig Fotografiert ??


    Was ich mal so aufgeschnappt habe, Sonne lacht, nimm Blende 8.


    Was ist eine Blende.

    Das sollte man sich mal in einem guten Fotogeschäft in echt ansehen, am besten ein Gebrauchtladen, da gibt

    es das gute alte Zeug aus der Steinzeit noch.


    Wenn man am Blendenring dreht wird ein Lamellenvorhang bewegt, der macht je größer die Zahl ist immer weiter zu.

    Es kommt also weniger Licht hinein.

    Parallel dazu erhöht sich die Tiefenschärfe, das ist auf den alten Objektiven genau daneben eine Hilfsskala die in beide

    Richtungen symmetrisch aufgezeichnet ist.

    Hier kann man ablesen wie scharf das Bild von etwa meter xx bis meter yy bei dieser Blende ist.

    Je nach Brennweite des Objektivs und Lichtstärke variiert das, ein 500er Tele mit 1,8 macht nur einige cm

    "TIEFENSCHÄRFE" also das Gesicht ist gerade noch, der Vorder- und Hintergrund sind unscharf bis ganz weg.


    Ein Weitwinkel, wie es in allen Action-Cams verbaut ist ist eigentlich immer von vorne bis hinten scharf.

    Deswegen der Eindruck das es gute Aufnahmen sind, nein es ist nur ein geknipse, keine Fotografie.

    Die Perspektiven sind mitunter beeindruckend, aber auch nicht mehr.


    Mit der Blende "arbeiten"

    Den Effekt der Tiefenschärfe kann man ausnutzen um bestimmte Teile im Sichtfeld auszublenden.

    Das sieht man oft im Fernsehen, einer spricht, der ist scharf, dann der andere, dann wird nachgestellt und dann ist der

    scharf eingestellt, der rest verschwimmt.

    Das hatte man irgendwann eingeführt da man für diese Aufnahmetechnik weit weniger Licht benötigt, die Blende

    ist ja weeeeeeiiiiiit offen. Licht ist einer der teuersten Posten beim Film.

    Irgendwann ermüdet es aber immer nur unscharf zu sehen.

    Deswegen führte man HD-Produktion ein. Lustig nur, das alte Filme die einfach nur gut, also GUT gemacht wurden

    jetzt auch als HD verkauft werden. Das kannte man vor 50 Jahren noch gar nicht, konnte aber Filmen.


    Mit der Brennweite arbeiten

    So als Faustregel, Weitwinkel ist für ganz kleine Besenkammern mal ganz nett,

    Allles was weiter als 20m weg ist ist einfach weg.

    Normalobjektiv auf 50mm Kleinbildformat ist der Universalbrenner, es ist eine 1:1 Perspektive zum echten Sichtfeld.

    Leichtes Tele auf 70mm kb ist auch ganz gut, wird aber schon etwas Lichtschwächer, unwesentlich.

    Tele ab 100mm ist für Landschaften sehr schön um sie zu betonen

    Tele ab 300mm für Portraits mit Tiefenschärfe-Vermeidung

    Tele über 300mm nur für geübte Sportfotografen, hier kommt noch dazu das man mit dem Objekt mitgeht,

    für Landschaften eher nix, es sei denn man möchte vom Brocken die Alpen ablichten.

    Zoom, universell, man sollte die Zusammenhänge zwischen Brennweite und Blende Verstanden haben.


    Lichtstärke

    Das ist das Loch ganz vorne, je größer desto mehr Licht kommt rein, man kann also Abends länger,

    Macht die Sache aber schwer, die große Linse wiegt halt, und teuer, irgendeiner muß da ganz lange dran rumschleifen.

    Je kleiner die Zahl desto mehr Licht, ein Knipskasten-Universal-Ich-Kann-Alles-Objektiv wird da eher

    Blende 4-10 (beim zoomen wird die Zahl größer, als weniger Licht, logisch, das Loch wird ja nicht größer)

    haben, also weinig Licht bei etwas Tiefenschärfe, ausgezoomt kommt man da bei dem eingangssatz "blende 8"

    schon in Schwierigkeiten wenn die Sonne scheint, wenn es dunkel wird "säuft" das Bild einfach ins schwarz ab.


    Die ISO, die Filmempfindlichkeit

    Auch aus der Steinzeit, damals waren da noch echte Silberkristalle auf dem Plastikstreifen, dem Film.

    Je kleiner die Zahl, desto feiner die Kristalle, also Auflösung. Man benötigte aber mehr Licht.

    ISO 100 war der Allerweltsfilm, der ging für alles und jeden, nur in Innenräumen wegen Kunstlicht

    nicht so doll, dafür nahm man dann 200er oder 400er.

    Etwas grobkörniger, aber die Motive waren ja nicht so weit entfernt das man beim Entwickeln noch

    riesige Ausschnittsvergrößerungen brauchte.

    Heute ist das wohl eher Wunschdenken, auf dem Chip in der Kamera sind eine bestimmte Anzahl an Transistoren.

    Es ist völlig unerheblich was man als ISO einstellt , es werden nicht mehr oder weniger.

    Die Software kann sie alle einzeln auswerten, oder einige zusammenschalten um etwas Lichtempfindlichkeit

    herauszuholen, da fängt es aber ganz schnell an zu grieseln.


    Belichtungszeit

    Wohl dem der ein Stativ und Zeit hat.

    Mit einem 2,0 Objektiv und 100er Film kann man Nachts wunderschöne Aufnahmen machen.

    Wenn man ZEIT hat.

    So ab 1min sollte eine Kamera können, 15min ist super.

    Sportfotografie nachts ohne Blitz mit einer Digikam mit festem xyz-Objektiv mit ISO-6400, illusorisch.

    Autobahnen haben Landschaft drumherum, aber die Leuchtspuren die jeder kennt.

    Sterne, bewegen sich nicht, aber wir und damit ist das relativ.


    Stürzende Linien

    Die hat jedes Objektiv wenn es aus der Lotrechten bewegt wird. Die Kunst ist es eine Perspektive zu finden

    mit dem geeignete Objektiv um diese zu vermeiden.

    Seltene und besonders teure (und schwere) Objektive haben eine Hilfsebene eingebaut.

    Hier kann mit einem Parallaxenausgleich das Objektiv so eingestellt werden als ob es in 30m höhe hängt.

    (es am Copter nach unten zu verschieben wäre ja unsinn, es 30m hochheben um es aussehen zu lassen als ob es unten liegt ??)


    Da einige Copter als Stativ benutzen, wie das am Copter umgesetzt werden kann überlasse ich der

    allgemeinen Fantasie.

  • Ich entstamme nicht der alten Garde, aber was ich mit meiner Erfahrung überblicken kann, ein toller Beitrag, mein Dank dafür.

  • Sehr schön erklärt... und die Realität. Ich selbst fotografiere mit einer inzwischen fast altertümlichen EOS 400D, aber mir reicht das was die gute kann völlig aus. Solange man genügend Zeit mitbringt (und das sollte man bei Fotografie immer), kann man da wirklich gute Sachen rausholen. Nebenher schlummert auch zum sehr seltenen Gebrauch noch eine gute alte Praktika aus DDR-Zeiten mit einem 1.8/50 hier. Wobei ich ehrlich gestehe, dass ich die seit locker 2 Jahren nicht mehr benutzt habe und mir auch nicht sicher bin, ob und wo man noch Filme oder eine Entwicklungsmöglichkeit herbekommt.

  • Danke für die Blumen


    Sicher gruselt es Fotografen die das mal vor 40 Jahren gelernt haben,

    ist aber deutlich besser als "ich habe eine 10.000€ Kamera die macht professionell"

    Ja, du mich auch.

    Gute Fotografen können auch mit einer 20€ Kamera.

    Der alte Spruch, "ein guter Handwerker kann auch mit schlechtem Werkzeug"

    Ein ............ nix mit dem teuersten.


    Der Klassiker, Nikon F3, von der behauptete man das man die Zelthäringe damit

    einschlagen kann und sie funktioniert dann immer noch.



    Nachdem ich mit chemischer Fotografie aufgehört habe war auch mein

    Kentnissstand (darf man heute mit 3 sss schreiben) beendet.

    Ändert aber nix an den Grundlagen.

    Digital ist einiges anders, aber die Physik uberlistet man damit auch nicht.

    Galt schon immer , das Objektiv macht das Foto, die Kiste dahinter hält nur den Film.

    Da bekomm ich Pickel wenn ich 1000€ für die Kiste ausgebe, die mag das sogar wert sein,

    und davor hängt was aus Plastik, instabil, Vergütung zweifelhaft etc.

    So Hausnummern wie die beschriebene Tiefenschärfeskale fehlen, wie auch alle

    anderen Skalen.

    Manueller betrieb ist sowieso nur selten möglich, Automatik an und Selfis ohne ende.

    EIN FOTO ENTSTEHT IN VIELEN STUNDEN MIT EINIGEN 100 BIS 1000 BILDERN.

    Manchmal auch dann nicht.


    Belichtungsreihen

    ???? kennt wohl heute auch niemand mehr.

    Konnte jede vernünftige Kamera vor 30 jahren, oder noch älter.

    Über die Blende, macht von etwas überbelichtet bis zu etwas zu dunkel 3-5 Aufnahmen.

    Nebeneffekt, die Tiefenschärfe verändert sich, sieht man aber erst nach dem entwickeln.

    Über die Zeit, gleichbleibende Tiefenschärfe, nur könnten bewegte Motive bei der längsten

    Zeit etwas unscharf werden.


    Für Sportfotografie natürlich illusorisch, da hat man nur einen Versuch, aber den

    mit 4000stel sekunde auch öfter. Dafür benötigt man dann wieder ein lichtstarkes Objektiv

    1,2 - 1,8, mit den Nachteilen der Tiefenschärfe.


    So gingen dann der eine oder andere Film mit 36 Aufnahmen durch.

    Heute ein wesentlicher Vorteil von Digitalkameras, 10.000 Bilder sind möglich.

    Als man noch über das Foto nahdenken mußte, unbezahlbar.

    Professionell bedeutete meist 18x24. nicht Kleinbid, 18X24 ZENTIMETER auf Platte

    oder Großfilm.

    Bei Auflösungen, dagegen ist ein Vollformat-Chip mit 24megapixel mal lächerlich.

    Das entspricht in etwa einer Minox mit 8mm Film.



    Da fällt mir ein, wie wäre es eigentlich mal mit einer SELFIVERORDNUNG ??

    Mich ko.....tzt es an das jeder undressierte Affe wild in der Gegend rumknipsen darf.

    Datenschutz ???? Mußte ich unterschreiben und muß es einhalten.

    Mach ich Selfis mit nem drahtlosen Stock (Drohnis) bin ich kriminell.


    LMAA

  • Alfred! nicht das Atmen vergessen! ;-) Zeiten ändern sich, die Menschen auch. Die momentane Situation ist tatsächlich nicht zufriedenstellend, aber es wird seine Zeit brauchen bis sich das einspielt und verfestigt.