Modellflugtag des TV Falkenberg - ​Kapriolen durch Tore und Ringe

  • Modellflugtag des TV Falkenberg
    Kapriolen durch Tore und Ringe

    Johannes Kessels 11.12.2017

    Über Turnkästen, durch Gates, um Wendemarken herum und durch Ringe hindurch: Die kleinen Multikopter legen rasante Flugmanöver hin. Und die Piloten sitzen - via Kamera - quasi mittendrin.

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    Vier oder mehr kleine Motoren und eine Kamera haben die Drohnen an Bord.

    (Hans-Henning Hasselberg und Henning Hasselberg, Henning Hasselberg)


    Lilienthal. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte keine Brille tragen. Das gilt jedenfalls manchmal in der Fliegerei, und ganz besonders galt es beim Hallenflugtag des TV Falkenberg in der Schoofmoorhalle. Dort fand ein FPV-Wettbewerb statt für Multikopter – ein vornehmerer Ausdruck für Drohnen. „Drohne ist ja schon fast ein Schimpfwort“, meint Roger Bartsch, Leiter der Modellflugsparte des TVF. Dabei bezeichne es doch nur ein unbemanntes Flugobjekt, das vorn eine Kamera eingebaut hat und vier oder mehr Rotoren besitzt. Mit einer Spezialbrille fühlt man sich, als sei man selbst an Bord, und dann können die Kapriolen in der Luft schon mal für ein flaues Gefühl am Boden sorgen.


    Mal eben über Nachbars Garten kreisen oder gar in fremder Leute Fenster lugen, das darf man damit aber nicht, denn unbemannte Flugobjekte mit Kamera und Brille gelten nicht als Modellflugzeuge, sondern unterliegen der Luftverkehrsordnung, und die ist recht rigide. Man dürfe seit ihrer Verschärfung im April dieses Jahres nicht einmal mehr über Menschenversammlungen fliegen, sagt Roger Bartsch. Das habe seine Vereinsgruppe früher oft beim Tarmstedter Herbstmarkt getan, um vorzuführen, was Drohnen können. „Hier in der Halle dürfen wir aber fliegen, wie wir wollen.“ Das gelte auch für den Modellflugplatz an der Landstraße zwischen Tüschendorf und Tarmstedt.


    Anders als bei früheren Hallenflugtagen gehörte dieses Jahr die Halle fast nur den Drohnen; lediglich in der Mittagspause waren auch die Modellflugzeuge und Hubschrauber einmal an der Reihe. Die Drohnenpiloten hatten ein umfangreiches Programm zu absolvieren, es wurde nämlich ein Wettbewerb in zwei Gruppen à 16 Flieger geflogen, alles in FPV. Das steht für „First Person View“, also die Sicht aus der Drohne, als wäre der Pilot selbst an Bord. Die eine Gruppe ist die mit den Brushed-Antrieben (Bürstenmotoren), die größeren Geräte werden brushless angetrieben; hier haben die Elektromotoren keine Bürsten.


    Steil über den Turnkasten

    Und nun konnte das jedenfalls bis mittags recht zahlreiche Publikum auf der Tribüne mal sehen, was man mit so einem kleinen Gerät alles anstellen kann: durch „Gates“ (Tore), sofort danach steil ansteigen über einen Turnkasten, gleich wieder an Höhe verlieren, um durch das nächste Gate zu flutschen, um Wendemarken herum, durch Ringe – „manchmal glaubt man gar nicht, wie schnell man an so einem Tor vorbei ist“, meint Flugleiter Andreas Eichler. Dann muss eine Schleife geflogen und ein zweiter Versuch gemacht werden, das Tor zu durchfliegen. Die Zeitnehmer achten genau darauf, dass keine Station ausgelassen wird, deshalb hat auch jeder Pilot einen eigenen Zeitnehmer. Auf einer Videowand konnten die Zuschauer auf der Tribüne sich genauso fühlen wie die vier Piloten, die in den Qualifikationsrunden gegeneinander antraten: Auch sie sahen durch die Kamera der Drohnen, und das gleich vierfach. Wird einem da nicht schwindlig? Wer sich schon mal eine der seltsamen Brillen aufgesetzt hat, durch die die Piloten mit der Kamera verbunden sind, und bei einer Drohne mitgeflogen ist, weiß, wie bei plötzlichem Steigen und Überschlägen der eigene Magen versucht mitzufliegen. Wenn man es auf einer Videowand sieht, ist das Erlebnis aber weit weniger intensiv, und außerdem wurde selten höher als ein Meter gefolgen. Auch der Pilot empfinde es nicht so stark, sagt Andreas Eichler; man müsse es sich so vorstellen wie Reisekrankheit bei empfindlichen Menschen. Die stellt sich auch nur beim Beifahren ein, nicht, wenn man selbst am Steuer sitzt.


    Dieses Gefühl hatten anfangs aber auch einige der Piloten, weil es Probleme mit der Bestimmung der Funkkanäle gab. „Da saßen einige auf der falschen Drohne“, sagt Roger Bartsch. Aber nachdem geklärt war, wer auf welchem Kanal steuerte, lief alles glatt, was auch Malte Menzel aus Bremen aufgefallen ist. „Ich fand’s total gut“, meint er – es sei perfekt durchorganisiert gewesen, wer wann zu fliegen habe, und es sei selten, dass die Zeitplanung bei einem Turnier so genau stimme.


    Quelle https://www.weser-kurier.de/re…-ringe-_arid,1678811.html